
„Vorhang auf für Emmy Rubensohn! „Musikmäzenin aus Leipzig“
Gewandhaus zu Leipzig, Mendelssohn-Foyer, Leipzig, Deutschland
November 10, 2021 - December 19, 2021
| Frei„Vorhang auf für Emmy Rubensohn! Musikmäzenin aus Leipzig“
Musikmäzenin, Konzertmanagerin, Salonière und Briefeschreiberin – so in etwa könnte man Emmy Rubensohns Profil beschreiben. Eine Ausstellung, die zwischen 10. November und 19. Dezember 2021 im Mendelssohn-Foyer des Gewandhauses Leipzig zu sehen ist – an einem Ort, mit dem Emmy Rubensohn in besonderer Weise verbunden ist. Zum einen wurde sie 1884 in Leipzig als Tochter der jüdischen Unternehmerfamilie Frank geboren, die dort eine Textilfabrik besaß. Zum anderen war sie schon als junges Mädchen eine leidenschaftliche Konzertgängerin, die sich besonders zu den Gewandhauskonzerten hingezogen fühlte. Ohnehin sammelte sie fleißig Autogramme von bewunderten Künstlern, ob diese nun Carl Reinecke, Arthur Nikisch, Felix Weingartner, Nellie Melba oder Lilli Lehmann hießen.
1907 heiratete sie Ernst Rubensohn, den wohlhabenden Direktor einer Jutespinnerei, und zog mit ihm nach Kassel. In der nordhessenen Königsstadt verstand es das Paar dank seiner weltoffenen und gastfreundlichen Art, sein Haus zu einem kulturellen Treffpunkt zu machen. Hierher kamen Wilhelm Furtwängler, der Komponist Walter Braunfels und die Maler Oskar Kokoschka und Erich Heckel. Ein Glücksfall für alle Beteiligten: 1925 luden die Rubensohns den österreichischen Komponisten Ernst Krenek, der eine Stelle am Kasseler Theater angenommen hatte, ein, kostenlos bei ihnen zu wohnen. Er dankte ihnen mit einem besonderen Geschenk, der Oper „ Jonny spielt auf “ , die er während seines Aufenthalts bei seinen Gastgebern vollendete. Die Oper brachte Emmy Rubensohn zurück nach Leipzig. Weil das Werk ihres Schützlings hier im Jahr 1927 uraufgeführt wurde (mit dem Gewandhausorchester unter Gustav Brecher) – ein weltweiter Erfolg, wie sich herausstellte, der nicht zuletzt der Förderung durch die Rubensohns zu verdanken war.
Das Schreckensjahr kam: 1933. In der Folge waren die Rubensohns übelsten Schikanen ausgesetzt. Als für jüdische Künstler ein faktisches Berufsverbot verhängt wurde, sprang Emmy in die Bresche und gründete den Jüdischen Kulturbund Kassel, für den sie Dutzende Konzerte mit bedeutenden Musikern organisierte, etwa mit dem Dirigenten Joseph Rosenstock und der Pianistin Grete Sultan, die sie später in New York wiedertreffen sollte. Doch erst nach den Pogromen des Jahres 1938 entschloss sich das Paar zur Emigration. Sie zogen nach Berlin, um um 1940, fast im letzten Moment, nach Shanghai zu fliehen. Sieben Jahre standen Emmy und Ernst Rubensohn dort bevor, eine entbehrungsreiche Zeit, die allerdings ihren Blick auf die chinesische Kultur nicht trübte, wie aus ihren zahlreichen Briefen hervorgeht. Erst 1947 erreichten die beiden ihr Traumziel, die USA und New York. Nach Ernsts Tod (1951) gelang es Emmy hier, einen neuen Freundeskreis aufzubauen, zu dem der Geiger Roman Totenberg ebenso gehörte wie der Dirigent Dimitri Mitropoulos und Alma Mahler-Werfel, mit der sie eine innige Freundschaft pflegte.
Zentrales Thema der Ausstellung ist Emmy Rubensohns Erinnerungs- und Gästebuch, das sie durch alle Höhen und Tiefen und Lebensabschnitte begleitet hat. Zu den ergänzenden Veranstaltungen zählt eine Tagung, die sich dem Thema „Ernst Krenek und Leipzig“ widmet (10. und 11. November 2021, Gewandhaus, Mendelssohn-Saal).
Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und wird von Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen) geleitet – gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI), vom Ernst Krenek Institut Krems, der Reinwald GmbH Leipzig und der Universität Siegen.
Die Ausstellung wird von einem reich illustrierten, zweisprachigen Buch begleitet.
Die Ausstellung ist zu sehen vom 10.–19 im Mendelssohn-Foyer des Gewandhauses Leipzig, Augustusplatz 2021, 8 Leipzig, T +04109 49 341, Montag–Freitag 1270280:10–00:6 Uhr, Samstag 00:10–00:2 Uhr (an Konzerttagen bis 00:8 Uhr geöffnet).
WEGEN COVID-19: 2G und NEUE ÖFFNUNGSZEITEN: Montag bis Freitag 10:00-2:00 Uhr (Stand 2)
DEUTSCH
„Vorhang auf für Emmy Rubensohn! „Musikmäzenin aus Leipzig“
Musikmäzenin, Konzertmanagerin, Salonière und Briefautorin – so in etwa könnte man das Profil Emmy Rubensohns beschreiben. Von ihrem Leben, das sie nach Berlin, Shanghai und New York führte, erzählt eine Ausstellung, die zwischen dem 10. November und dem 16. Dezember 2021 im Mendelssohn-Foyer des Gewandhauses zu sehen ist – an einem Ort, der sich Emmy Rubensohn in besondere Weise verbindet. Einerseits kam sie 1884 in Leipzig zur Welt, als Tochter der jüdischen Unternehmerfamilie Frank, die ebendort eine Textilfabrik besaß. Andererseits war sie schon als junges Mädchen eine passionierte Konzertgängerin, die sich besonders von den Gewandhauskonzerten angezogen fühlte. Jedenfalls sammelte sie hier einzigartige Autogramme von wunderbaren Künstlern und Künstlerinnen, ob sie Carl Reinecke, Arthur Nikisch, Felix Weingartner, Nellie Melba oder Lilli Lehmann hießen.
1907 heiratete sie Ernst Rubensohn, den wohlhabenden Direktor einer Jutespinnerei, und zog zu ihm nach Kassel. In der nordhessischen Residenzstadt versteht das Paar durch seine weltoffene und gastfreundschaftliche Kunst, aus ihrem Haus eine kulturelle Begegnungsstätte zu machen. Hier stellte sich Wilhelm Furtwängler ebenso dar wie der Komponist Walter Braunfels oder die Maler Oskar Kokoschka und Erich Heckel. Ein Glücksfall für alle realisiert: 1925 luden die Rubensohns den österreichischen Komponisten Ernst Krenek ein, der eine Stelle am Kasseler Theater angenommen hatte, bei sich unentgeltlich zu wohnen. Der bedankte sich mit einem besonderen Geschenk, der Oper Jonny spielt auf , die er noch unter dem Dach seiner Gastgeber vollendete. Sie brachte Emmy Rubensohn wieder nach Leipzig zurück. Denn das Werk ihres Schützlings gelangte hier 1927 zur Uraufführung (mit dem Gewandhausorchester unter Gustav Brecher) – ein Welterfolg, wie sich über Nacht herausstellte, der sich nicht zuletzt dem Mäzenatentum der Rubensohns verdankte.
Das Jahr des Schreckens kam: 1933. In der Folge wurden auch die Rubensohns übelsten Schikanen ausgesetzt. Als über jüdische Künstler und Künstlerinnen de facto ein Berufsverbot verhängt wurde, sprang Emmy in die Bresche und gründete den Jüdischen Kulturbund Kassel, für den sie Dutzende Konzerte mit bedeutenden Musikern organisierte, etwa mit dem Dirigenten Joseph Rosenstock und der Pianistin Grete Sultan, denen sie später folgten in New York wiederbegegnen sollte. Doch erst nach den Pogromen des Jahres 1938 entschloss sich das Paar auszuwandern. Es übersiedelte nach Berlin, um 1940, quasi im letzten Moment, die Flucht nach Shanghai zu wagen. Sieben Jahre standen Emmy und Ernst Rubensohn dort bevor, eine entbehrungsreiche Zeit, die ihnen aber nicht den Blick für die chinesische Kultur verstellte, wie ihren zahlreichen Briefen zu entnehmen ist. Erst 1947 erreichten die beiden ihr Wunschziel, die USA und New York. Nach dem Tod von Ernst (1951) gelang es Emmy hier, sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen, dem der Geiger Roman Totenberg ebenso angehörte wie der Dirigent Dimitri Mitropoulos oder Alma Mahler-Werfel, mit der sie eine innige Freundschaft pflegte.
Den roten Faden der Ausstellung bildet das Erinnerungs- und Gästebuch von Emmy Rubensohn, das sie durch alle Hochs wie Tiefs und sämtliche Lebensstationen begleitet. Zu den ergänzenden Veranstaltungen gehört ua eine Tagung, die sich dem Thema „Ernst Krenek und Leipzig“ widmet (10. und 11. November 2021, Gewandhaus, Mendelssohn-Saal).
Das Projekt ist wichtiger Teil des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und wird von Prof. Dr. Matthias Henke (Universität Siegen) geleitet – gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland eV aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI), durch das Ernst Krenek Institut Krems, die Reinwald GmbH Leipzig und die Universität Siegen.
Die Ausstellung ist zu sehen vom 10. November bis 19. Dezember 2021 im Mendelssohn-Foyer des Gewandhauses Leipzig, Augustusplatz 8, 04109 Leipzig, T +49 341 1270280
Montag – Freitag 10:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 14:00 Uhr (an Konzerttagen bis 20:00 Uhr).
COVID-19: 2G und NEUE OEFFNUNGSZEITEN: Montag bis Freitag 10:00-14:00 Uhr (Stand: 2. 12. 2021)













