2018 komponierte der Potsdamer Gisbert Näther Musik zu ausgewählten Gedichten von Fritz Ascher (Link).
GEDICHTE
GEDICHTE
DAS BILD
(Vor eigenem Schaffen)
So hocke ich,
in dumpfem Schweigen; –
gebannt = verwirrt =
vor meinem Eigen.
Erschuf Dich
in verschwiegener Nacht, –
Getrieben,
peitschend angefacht.
Gedrängt, gepresst, –
„In tiefer Not!“
Erstandest Du mir
: ein Gebot.
Blick ich auf Dich,
mein Angesicht –
Und lausche
„Einem fernen Ich.“
Was sich begreift –
: Ist nichts als Staunen –
Drob eines Wesen
Launen Geist.
(Gedichtband 1, undatiert, S. 40)
DAS BILD
(Vor meiner eigenen Schöpfung)
Also ducke ich mich
In schwerer Stille;
verzaubert = verwirrt =
vor meinem eigenen Ich.
Ich habe dich erschaffen
In der stummen Nacht,
raffiniert,
von der Flamme gepeitscht.
Gedrängt und gedrückt, –
„in tiefer Not“
Du stehst vor mir:
ein Befehl.
Ich sehe dich an,
mein Antlitz –
und hör zu
„ein fernes ‚Ich‘.“
Sich selbst begreifen –
: ist nichts als Erstaunen
Auf diese Weise ist ein Wesen
launischer Geist.
(Gedichte Bd. I, undatiert, S. 40)
BEETHOVEN
Quell Du
Getönter Ewigkeiten.
Aufrauschen Deiner Seele Saiten =
Aus Tiefen: wo die Sinne stammen.
Wo Worte stammeln =
Musst Du sie entflammen: –
Zu
Deiner, Deins Gottes Ehre.
Zum Brausen
Der Verklärung Geist!!
(Gedichtband 1, S. 12)
BEETHOVEN
Sie Quelle
harmonischer Ewigkeiten.
Rasende Akkorde deiner Seele =
Aus der Tiefe: Wo der Geist geboren wird.
Wo Worte stammeln =
Du musst sie entflammen: –
Zu
deine – die Herrlichkeit deines Gottes.
Zum Tumult
des ekstatischen Geistes!!
(Gedichte Bd. 1, S. 12)
BAJAZZO
Narr der ich bin,
Topas der Masse.
Ihr blödes Lachen
Treibt mich her.
Je toller wird mein Spiel = Grimasse –
Je mehr ich grolle, –
Kreischt es Höhr.
Ich fühle mich wie
Der Hund die Streiche,
der wehrlos an
der Kette zerrt.
Pein krampft zu Schmerz -,
die Seele weint.
Und Tod und Trauer
Schleichen.
(Gedichtband 2, 1942-45, S. 211, Nr. 376)
CLOWN
Dumm bin ich,
die Belustigung der Massen.
Ihr dummes Lachen
treibt mich hierher.
Je absurder mein Spiel = Grimasse =
je mehr ich verärgert murre, –
Die Schreie werden schriller.
Ich fühle mich wie
der Hund schlägt zu,
die waffenlosen
zerrt an seiner Leine.
Qual erschüttert das Leiden -,
Meine Seele weint.
Und Tod und Trauer
Auf der Pirsch.
(Gedichte Bd. 2, S. 211, Nr. 376)
BAJAZZO
Die Masse stürmte um ihn her.
Starr, stumm, in sich blieb er versunken.
Nur dieses
Was sich fand, sprach
Alle Qualität, die in ihm steckt.
Sein Leben einst ein
bunter Tanz, nach außen
und ein graues Leer.
Nichts erreicht
Wonach er strebte.
Er liebte, Sehnsucht
Ward zum Hohn
Und hatte eine warme Seele.
Das Spiel ist aus –
Die Tat geschah.
Station „Ein ganzer Mensch“
Mörder und gestört.
(Gedichtband 4, S. 123 (130), Nr. 183)
CLOWN
Hier stürmen die Massen umher.
Betäubt und stumm blieb er in sich versunken.
Nur dieses leichte Lächeln,
man könnte entdecken, sprach
an all die Qualen, die in ihm lasteten.
Sein Leben ist ein einziges
gesprenkelter Tanz, jenseits
und in einer grauen Leere.
Nichts wird er erreichen
wie sehr er sich auch bemüht.
Er liebte und sehnte sich
er wurde verachtet
und hatte eine warme Seele.
Das Spiel ist zu Ende –
Die Tat ist vollbracht.
„Ein vollständiger Mensch“ war
Zerstörer und zerstört.
(Gedichte Bd. 4, S. 123 (130), Nr. 183)
KRIEG!
Wie Du erwähnst –
Dir tausendfach gesteigert,
starrt Dir entgegen
grauenhaft.
Dein Wesen = Menschsein =
Micha d.
Es bricht hierin
In allen Weiten.
Die Furie grellt und
Krallt sich ein.
Inferno! Die Verwüstung
Schrei.
Das Licht erlosch –
Ein Dunkelbrachs entgeistert.
(Gedichtband 5, 1942, S. 33, Nr.56)
KRIEG!
Wie Sie erwähnen –
Tausendfach vermehrt für dich,
starr, grässlich, es reagiert
für dich.
Dein Sein = Menschlichkeit =
sich selbst ablehnend.
Es bricht ein
über alle Distanzen hinweg.
Die Furien kreischen und
ihre Krallen hineinschlagen.
Inferno! Der Schrei von
Verwüstung.
Das Licht geht aus –
Erschrocken ist es kaputt
durch die Dunkelheit.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 33, Nr. 56)
LEBEN UM LEBEN
Du schreiest,
Um Dein schönes Streben,
wenn es Schicksal
Dir zertritt.
Du schreitest
Durch die Blüten
Weben: –
Und mordest
jeden Schritt,
die Leben, –
Die bangend Dir
entgegenbeben.
:Vernichter
Unbedachtes Glück.!
(Gedichtband 1, undatiert, S. 41)
LEBEN FÜR LEBEN
Du heulst,
Inmitten deiner schönen Bestrebungen,
Wenn das Schicksal
Zertrampeln Sie sie.
Du schreitest
Durch die Blüten
webt –
Und du mordest
Mit jedem Schritt,
diese Leben, –
Diejenigen, die befürchten
Die vor dir zittern.
: Zerstörer
des sorglosen Glücks!
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 41)
KEIN LEBEN OHNE TRÄNE
Kein Leben ohne Tränen.
Kein Sehnen ohne Schmerz.
Durch Tiefen und durch Höhen –
In Einsamkeit verscharrt.
Kein Jubel ders bekundet.
Kein Glück, an dem gesundet,
Dein Herz Dirs sagt: mein Werk.
(Gedichtband 5, 1942, S.10, Nr. 16)
KEIN LEBEN OHNE TRÄNEN
Kein Leben ohne Tränen.
Keine Sehnsucht ohne Schmerz.
Durch Tiefen und durch Höhen –
In der Einsamkeit ist es verloren.
Keine Erhöhung, die es verkündet.
Kein Vermögen, wiedergefunden,
Dein Herz sagt dir: meine Arbeit.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 10, Nr. 16)
RÜCKSCHAU
So kündet sich Geschichte
meines Krieges.
Als wütender Schein,
der sich aus der Ferne mündet.
Schickt mir zurück =
Der Nähe heute Seins.
In Bitter-Süssem
waltets prägend =
den Wünschen,
Trauer und dem Hoffen.
Beflüstert, eifert
und beschwor –
: Gewissen, Zweifel
und Entgegnung.
(Gedichtband 2, undatiert (ca. 1942-1945), S. 150, Nr. 272)
Blick zurück
So kündigt sich die Geschichte an
Als was war.
Wie ein hoch aufragender Glanz,
das von weitem fließt.
Schick es mir zurück =
Zur Nähe im gegenwärtigen Sein.
In bittersüßer
es regiert eingeprägt =
in Wünschen,
Sorgen und Hoffnungen.
Geflüstert, eifrig
und belastet –
: Gewissen, Zweifel
und erwidern.
(Gedichte Bd. 2, undatiert (ca. 1942–45), S. 150, Nr. 272)
LIED DER LIEBE
Liebe blühet,
längst und ewig.
Immer fühl
ichs mir bewegen –
Allem Wandel,
allen Wegen,
Immer
fühl mich erglühn.
LIED DER LIEBE
Liebe Blumen,
ausgedehnt und ewig.
Ich fühle mich immer
mich aufgeregt
durch alle Veränderungen
auf allen Wegen,
immer
Ich fühle, wie ich vor Leidenschaft glühe.
LIED DER LIEBE
Liebe blühet,
längst und ewig.
Immer fühl
ichs mir bewegen –
Allem Wandel,
allen Wegen,
Immer
fühl mich erglühn.
Ob es brandend sich
Erfüllt,
weisen meine
Sehnsucht stillte –
Obs entweht -.
Liebe blüht es.
Längst –
war Ewig.
(Gedichtband 2, undatiert (ca. 1942-1945), S. 223, Nr. 395)
LIED DER LIEBE
Liebe Blumen,
ausgedehnt und ewig.
Ich fühle mich immer
mich aufgeregt
durch alle Veränderungen
auf allen Wegen,
immer
Ich fühle, wie ich vor Leidenschaft glühe.
Ob wogende
mit Erfüllung,
zeige meine
Sehnsucht besänftigt –
Ob das Ende des Wehs – .
Ich liebe Blumen so.
Erweitert -
es war ewig.
(Gedichte Bd. 2, undatiert (ca. 1942–45), S. 223, Nr. 395)
MURMELN
Sacht siehst Du die herüberneigen =
Wie Lächeln in ihr Antlitz blickt.
Darin ist jenes schöne Schweigen,
was Traum bestimmt =
im Glück verzweigend.
Und Andacht triffts –
Die Seele nimmt tief zu.
(Gedichtband 5, 1942, S. 6, Nr. 10)
MUTTER
Siehst du leise das Bücken?
als lächelnde Blicke in Dein Gesicht.
Darin liegt jene schöne Stille,
dass Träume definieren =
sich im Glück entfalten.
Und Hingabe begegnet ihm —
Die Seele zieht sich in ihre Tiefen zurück.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 6, Nr. 10)
WORTE SCHWEIGS [AUS HENRIK IBSENS PEER GYNT, Anm. D. Verf.]
Fern bist Du meine Seele,
aufs Meer blick ich hinaus.
Darin geht fort mein Sehnen =
Lebt in des Windes Hauch.
Und fühl doch Deine Nähe
Und bin mit ihr allein.
Mein Herz wird sich versöhnen,
vergessene viele Tränen.
Ich warte auf Dich –
Wie spät das Glück erscheint.
(Gedichtband 3, 1945, S. 82, Nr. 201)
WORTE SCHWEIGS [AUS HENRIK IBSENS PEER GYNT]
Du bist so weit weg, meine Seele,
Ich blicke aufs Meer hinaus.
Darin strecken sich meine Sehnsehnen
Leben im Atem des Windes.
Und doch spüre ich deine Nähe
und bin damit alleine.
Mein Herz will versöhnen,
um alle Tränen zu vergessen.
Ich warte auf dich -
Wie spät das Glück kommt.
(Gedichte Bd. 3, 1945, S. 82, Nr. 201)
WORTE PIER GYNTS [AUS HENRIK IBSENS PEER GYNT, Anm. D. Verf.]
Mit mir, so führe ich meine Klage.
Ins Uferlose trieb es mich.
Ich liebe Eine = sterben und nichts,
Ihr Bild verfolgt mich Nacht und Tage.
Doch wenn ich bei Dir, warst Du noch –
Und ich von Gluten angefüllt,
wild und verzweifelt war mein Sinn.
Und irre in der Welt umher,
Begehrte alles war gewärt,
So sucht ich Dich – und fand mich fort –
Doch weiss ichs dennoch: Du bist mein.
In Stunde eines Einsamseins,
naht mir das Keusche in Gestalt.
Das Dunkel weicht und Licht erscheint.
Du Friede, der mir lang geraubt wurde,
ruht meine kranke Seele aus,
war Hauch der uns vereint.
(Gedichtband 5, 1942, S.7, Nr. 11)
WORTE VON PEER GYNTH [AUS HENRIK IBSENS PEER GYNT]
So bringe ich meine Klagen vor.
Es trieb mich in die Grenzenlosigkeit.
Ich liebe eine = sie und nichts,
Ihr Gesicht folgt mir Tag und Nacht.
Doch wenn ich bei dir bin, bist du so ruhig –
Und ich bin so überwältigt von Leidenschaft,
wild und verzweifelt war mein Geist.
Und verliere meinen Weg durch die Welt,
Ersehnte sich nach allem, was erwartet,
So suchte ich dich – und fand mich fort –
Und doch weiß ich: Du gehörst mir.
In den Stunden der Einsamkeit,
Die Dunkelheit weicht und Licht erscheint.
Du, Friede, der mir lange geraubt wurde,
meine kranke Seele ruht,
Du warst der Atem, der uns verbindet.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 7, Nr. 11)
SCHWEIGS LIED [AUS HENRIK IBSENS PEER GYNT, Anm. D. Verf.]
So groß das Meer,
die Welt wie weit –
Doch nichts, was meine Liebe teilt.
Nicht Tiefe und nicht Berges Höhe
kann meine Liebe meiden seh,
kein Leid = keine Einsamkeit.
Nie schweigt mein Herz = in Ewigkeit,
kein Zweifel und kein Hass erreichts.
Ich warte, weil es will.
Tag und die Nächte die vergehn.
War Frühling und des Herbst Geschehn
So schwinden Jahre hin.
Und lausche in den rauschen Wind, –
Hinauf wo stille Sterne stehn –
Und das Gefühl, dass sein Herz sich sehnt.
Er kommt einst wieder, kehrt zurück.
Ist spät es auch = es bleibt das Glück =
: weil meine Liebe.
(Gedichtband 5, 1942, S. 8, Nr. 12)
LIED VON SCHWEIG [AUS PEER GYNT VON HENRIK IBSEN]
So groß das Meer,
So weit wie die Welt
Doch nichts, was meine Liebe teilt.
Nicht in der Tiefe und nicht in den Berghöhen
kann meine fliehende Liebe sehen,
kein Leiden = keine Einsamkeit.
Nie schweigt mein Herz = in Ewigkeit,
erlangt keinen Zweifel und keine Feindseligkeit.
Ich warte auf seine Wünsche.
Tage und Nächte vergehen.
Es war Frühling und der Herbst ging vorbei
so vergingen die Jahre.
Und lauschte im rasenden Wind, –
Oben, wo noch Sterne stehen –
Und fühlt, dass sein Herz sehnt.
Er kommt noch einmal allein und kehrt zurück.
Es ist auch so spät = das Glück bleibt noch =
: denn meine Liebe bringt es.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 8, Nr. 12)
EDWARD MUNCH
Traum hat Dein Wesen
Oft berührt.
Als Graun und Dämmern
Des Ereignen.
Als schöne Anmut einer
Stille, in der es leuchtet,
Doch entweicht.
In der Du weilst,
Versunken treibest,
Vertraut und Ferne
Sich vergleichen.
(Gedichtband 4, undatiert, S. 150 (157), Nr. 213)
EDWARD MUNCH
Der Traum hat oft berührt
dein Sein.
Wie Dämmerung und Morgengrauen
Von dem, was geschehen wird.
Als schöne Anmut eines
Stille, in der es schimmert,
Und doch verschwindet es.
In dem du verweilst,
Tief im Innern drängst du weiter,
Vertrauen und Distanz
sind versöhnt.
(Gedichte Bd. 4, S. 150 (157), Nr. 213)
KÄTHE KOLLWITZ
Es war das Herz dem
Du verheiratest;
Was Tat geworden
vor Dir lag.
Am Bilde gleicht
Sich die Erscheinung –
Das Wunder eines
jeden Schlag.
Betreibt einen Geist
Wo Mitleid, Liebe
Meinend.
(Gedichtband 4, undatiert, S. 114 (121), Nr. 175)
KÄTHE KOLLWITZ
Es war das Herz, zu dem
Sie leiten Begegnungen;
Diese Tat
das vor dir liegt.
Zum Bild das Aussehen
ist gleich –
Das Wunder der Singularität
mit jedem Schlag.
Ein Geist drängt
Wo Mitgefühl, Liebe
wollen.
(Gedichte Bd. 4, S. 114 (121), Nr. 175)
MONDBETRACHTUNG
Als Kind hab ich Dich schon bestaunt;
Der Märchen Worte Bilder gebaut.
In Deinem Wesen dann geküsst =
Und schönere Schwüre mich gebrüstet –
Gesehnt wies schöne Träume glaubten.
Dann böses grollendes Zerfallen.
In mir die Welt – und mich allein.
Gestürzt von Höhe – Graun in allem.
Heut fliesst es ruhig und verstanden,
des Blutes Drängen ist verrauscht –
Das mich bewegt ist wie ein Hauch.
Dein Schein, der ruhig und vertraut.
Dein Lächeln, was auch mein Gewissen.
(Gedichtband 2, undatiert (ca. 1942-1945), S. 232, Nr. 409)
Den Mond betrachten
Schon als Kind habe ich Dich mit Erstaunen angeschaut;
Bilder aus Märchenwörtern bauen.
In deinem Wesen wurde ich dann geküsst =
Und in deiner Schönheit verkündete ich meine Gelübde –
Sehnsucht wie schöne Träume glauben.
Dann die böse, wütende Zerstörung.
Die Welt in mir – und nur in mir.
Von oben herab stürzend – in allem Grauen.
Heute fließt still und bedacht,
Der Blutdruck hat nachgelassen –
Was mich bewegt, ist wie ein Atemzug.
Dein Glanz, der so still vertraut.
Dein Lächeln, das auch mein Gewissen ist.
(Gedichte Bd. 2, undatiert (ca. 1942–45) S. 232, Nr. 409)
NACHTBILD
In den Wässern der Nacht
Flimmert das Mondlicht.
Geschichten zischelt das Schilf,
eifernd und wichtig,
hinauf zu den Bäumen
und hängenden Sträuchen.
Wolken umwandern den himmlischen Schein,
dunkel und schweigend,
verlorne Gedanken.
Sie schlafen ein und halten gefangen,
doch Erleuchtung siegt immer
in wechselndem Spiel.
Und die Wälder die schlafen,
die weiten Triften –
Ihr Antlitz, entrückt, erwiedernd
Was Sphäre begann:
Schatten und Schemen,
Traum und Versunkenes;
Krieg der Sinn.
Was Rätsel – war Märchen der Sinn.
(Gedichtband 5, 1942, S. 1, Nr. 1 –seitliche Notiz: „ausgewählt“)
NACHTBILD
In den Bächen der Nacht
Mondlicht glitzert.
Das Schilf flüstert Geschichten,
leidenschaftlich und gewichtig,
hinauf zu den Bäumen
und hängende Sträucher.
Wolken wandern durch das himmlische Leuchten,
dunkel und still,
aufgegebene Gedanken.
Sie schlafen ein und werden gefangen gehalten,
doch die Erleuchtung siegt immer
im sich verändernden Spiel.
Und der Wald, der schläft,
die weiten Wiesen –
Dein Gesicht, entzückt, reagiert
was diese Sphäre erlebte:
Schatten und Phantome,
Träume und Träumereien;
Es war eine Fabel des Geistes.
Was ein Rätsel war, war eine Fabel des Geistes.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 1, Nr. 1 – Randbemerkung: „ausgewählt“)
NEBEL
Wie sie erbleichend regieren,
Her aus den Erden steigen,
in wesenshauchem Weben.
Erfüllend – so beschweben.
Verwünschung aller Formen -,
Begrenzung des Gesichts.
Umschweigen sie Geschichte –
: verklagenes Quell und Born.
(Gedichtband 5, 1942, S. 30, Nr. 48)
FOG
Wie es tanzt, verblasst,
Hier erhebt es sich aus der Erde,
in einem stoffatmenden Gewebe.
Füllen – damit es schwimmt.
Ein Fluch für jede Gestalt -,
Eine Grenze für die Augen.
Es verschweigt die Geschichte –
: verblassende Quelle und Quelle.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 30, Nr. 48)
STURM = MOTIV
Dunkel wankt der Wolken Masse,
hörst des Brausen-Chöre.
Siehst den Regen niederprasseln;
Sprudelnd, rinnt die Erde.
Scheuend haften Strauch und Bäume
= hin und wendend, ohne Rast,
und es schüttelte ihre Kronen.
Sprühend, peitschend, stoßfest
der Gewalten die Erfüllung.
Der Du lauscht in dies Broden –
Fühlst auch Deines Herzen Pochen;
selbst betroffen = angefacht.
(Gedichtband 2, undatiert (ca. 1942-1945), S. 170, Nr. 311)
STURM = MOTIV
Dunkel taumelt der Wolkenklumpen,
Sie hören die turbulenten Chöre.
Sie sehen den Regen prasseln;
Brodelnd fließt es entlang der Erde.
Ängstliche Klammern an Sträucher und Bäume
= hier und da und sich drehend, ohne Ruhe,
und es bewegt ihre Kronen
Besprengend, geißelnd, wütend nieselte es
und seine Gewalt entfesselt.
Du lauerst dort in dieser dunstigen Luft –
Du fühlst auch, wie dein Herz pocht,
Ratlos – in Flammen.
(Gedichte Bd. 2, undatiert (ca. 1942–45), S. 170, Nr. 311)
DURCHSONNTER WALD
Durch sein Geheimnis
Goldet Licht – Im Flimmern erwärmen Glanzes
prangend.
Und alle Leben
doppelnd singen.
Dort wo es schmeicheln
hingeküsst –
: Quillt eine Liebe
ohne Gleichen.
(Gedichtband 1, undatiert, S. 92)
SONNENGESPECKTES HOLZ
Durch sein Mysterium
Das Licht vergoldet –
Im Schimmer, warm schimmernd
Glänzend.
Und alles Lebende
Habe doppelt gesungen.
Dort, wo es streichelt
küssend –
: eine Liebe sprudelt hervor
Ohnegleichen.
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 92)
FRÜHLINGSWINDE
Wie die Kraft
im Raume tollt;
Sausend,
bullernd,
brausend.
Wie es zerret
am Gevolk, –
Wald und Wiesen
zauset.
Wie sich alles
willig fügt
Diese wilden Kinder.
Wies in Lebenswille
wiegt – ;
Winde, –
Frühlingswinde.!
(Gedichtband 1, undatiert, S. 42)
FRÜHLINGSWIND
Als Macht
tollt im Weltraum umher;
Prahlerei,
Sieden,
Prahlerei.
Während es zieht
zu den Wolken, –
es raschelt
Wald und Felder.
So bereitwillig
alles unterwirft sich
zu diesem wilden Kind.
Das Feld wiegt
Seine Lebenskraft – ;
Winde, –
Winde des Frühlings!
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 42)
HERBSTGEFÜHL
Der Liebe
tiefstes Werben: –
Geschieht =
In
Sterben.
(Gedichtband 1, undatiert, S. 26)
HERBSTGEFÜHL
Der Liebe
tiefstes Werben: –
Es passiert =
In
Sterben.
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 26)
SONNENUNTERGANG
Das güldne Ründen senkte den Sack, verstrahlt;
Erglutete verblutend alle Ferne.
Bis es ergraut = an Schaffe dann gewandt =
Das Nächtige geschah.
(Gedichtband 5, 1942, S. 68, Nr. 124)
SUNSET
Die goldene Rundung sinkt sanft und schimmernd herab;
Es entflammt alle Entfernungen, blutet.
Bis es grau wird = auf dem Weg zur Schöpfung =
Die Dunkelheit der Nacht ist hereingebrochen.
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 68, Nr. 124)
BEI SONNENUNTERGANG
Einfanget,
heilig leuchtendes Scheinen:
Was in Liebe verblutend
„Zu scheiden begann.“
Trinket ihr Augen – !
Spendet,
das Schönste, dem bangenden
Herzen: –
Wenn Nacht es
Verdunkelnd umdroht!
(Gedichtband 1, undatiert, S. 4)
BEI SONNENUNTERGANG
Es ergreift, heiliger Lichtschein: Was in der Liebe blutet, hat seinen Abschied begonnen.
Trink, ihre Augen! –
Verleihen,
die schönsten, zu den Ängstlichen
Herz: -
Wenn Nacht
Die Drehungen sind ganz dunkel!
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 4)
SINFONIE DES WALDES
Raune, raune, –
Surre, versenge.
Klinge, Glocke,
Klinge, Klinge.
Rausche, rausche,
Klopfer, – Stöcke.
Wechselnd lausche,
Locke, Locke.
Spinne, sponne =
Webe, webe; –
Schnellend, schwellend,
Wachsend hebe.
Strebe = lebe, –
Waldesseele! –
(Gedichtband 1, undatiert, S. 5)
Sinfonie des Waldes
Flüstern, flüstern, –
Summen, singen.
Klingeln, klingeln,
Klingel, Klingel.
Rascheln, murmeln,
Pochen, – stillstehen.
Ändern hören,
Verführen, verlocken.
Drehen, gesponnen =
Weben, weben, –
Schnell, Schwellung,
Wachsender Auftrieb.
Streben = leben, =
Waldseele! –
(Gedichte Bd. 1, undatiert, S. 5)
SOMMERIDYLL
Die alten Bäume plauschen,
im Schmucke ihres Grüns.
Dann weil sie in Stille -,
wie Schauen sah es hin –
Dort wo die schlichten Blumen
Ringe um sie hergestreut.
Bestaunen Sie zarte Glieder;
das Gaukeln Falter drüber =
wie junge Liebe freit.
Dann murmeln sie erneuern.
Belebt wies schien befeuert –
Erheitert und erfreut.
(Gedichtband 3, 1945, S. 99, Nr. 248)
Sommeridylle
Die alten Bäume plaudern,
in der Pracht ihres Grüns.
Dann verweilen sie in der Stille -,
Wenn sie ihren Glanz überallhin tragen –
Dort, wo die bescheidenen Blumen
sind ringförmig um sie herum verstreut.
Zarte Glieder schauen erstaunt;
Herumflattern und -falten =
Frei wie die junge Liebe.
Dann murmeln sie erneut.
Wiederbelebt, entflammt, weiß leuchtend –
Alles erhellt sich und erfreut sich.
(Gedichte Bd. 3, 1945, S. 99, Nr. 248)
ALTER BAUM
Verwunschen, durch die Zeiten geträumt,
Ihr windet sich der alte Baum.
Ihm staltet Wirrwar des Geäste =
entfaltet rendend dann die Krone.
Hort Rauschens ewger Melodie
im Blätterplausch erwogen.
So steht er fort – vermält dem Raume.
Und Krieg und Sein verschwistern sich um ihn.
(Gedichtband 3, 1945, S. 15, Nr. 39)
ALTER BAUM
Verzaubert, träumend durch die Jahrhunderte,
hier windet sich der alte Baum.
Ein Chaos aus Zweigen erzeugen =
es entfaltet sich um die Krone.
Schatz der ewigen Melodie rascheln
betrachtet im Rascheln seines Laubes.
So steht es da – verheiratet mit dem Weltraum.
Und war und ist sein eigenes Geschwister.
(Gedichte Bd. 3, 1945, S. 15, Nr. 39)
LEBEN
Leben ist Glühn.
Bestreben = Wesenheit
des Gefühls.
(Gedichtband 5, 1942, S. 31, Nr. 51)
LIFE
Leben heißt, vor Leidenschaft zu brennen
Streben = die Essenz des Gefühls
(Gedichte Bd. 5, 1942, S. 31, Nr. 51)
VOM EIGENEN SCHAFFEN
Blick ich um mich –
betrachte ich mein Wesen.
Des Lebens Führung prägte es –
aus Ewgem kommendes Gesetz,
ins Gültig = Menschlich verwebend.
So grüsst Dich dann, ein Selbst geworden, –
Was Deiner Seele = Dir geschah.
Wie Lächeln um Geheimnis sahs.
Vertraut und Wunden –
Fern und doch erworben.
(Gedichtband 3, 1945, S. 106, Nr. 265)
AUS MEINER EIGENEN SCHÖPFUNG
Ich schaue mich um –
Ich denke über mein Sein nach.
Es ist geprägt von der Ordnung des Lebens –
aus einem ewigen Beschluss
in eine Bindung = menschliches Gewebe.
So begrüßt es dich dort, werde sein eigenes Selbst, –
Was mit deiner Seele passiert ist, ist dir passiert.
Als würde man lächeln, weil man ein Geheimnis begriffen hat.
Vertrauen und Staunen
Fern und doch erreicht.
(Gedichte Bd. 3, 1945, S. 106, Nr. 265)


