Die biografischen Details von Aschers frühem Leben, seiner Verfolgung unter dem Nationalsozialismus und dann seinen späteren Jahren, als er aus den Schatten seines Traumas trat, sind entscheidend, um darüber nachzudenken, wie und warum Ascher welche Werke schuf und auf welche Weise er sie schuf. Allerdings war Ascher kein passiver Spiegel seiner Umgebung und er zeigte ein anhaltendes Interesse daran, nicht nur die Visualisierung des Innenlebens, sondern auch eine umfassende Selbstbetrachtung zu erforschen. Dieses Interesse verbindet sein potenzielles Interesse an den Bajazzo-Themen als Form der Selbstidentifikation und -erkundung sowie seine Übernahme expressionistischer Techniken und ideologischer Farben, um Gefühle und Gedanken zu erfassen, die dem bloßen Auge verborgen sind. Es umschreibt auch seine zahlreichen Selbstporträts aus der Zeit vor und nach dem Krieg sowie seine Gedichte.
Während er sich vor den Nazis versteckte, konnte Ascher nicht mehr so kreativ sein wie früher, aber er schrieb viele seiner noch heute existierenden Gedichte. Diese Gedichte sind Meditationen über sich selbst, über den Krieg, über das Leben, über Kunstwerke oder Künstler und Schriftsteller, die ihn bewegten und inspirierten, kurz gesagt – über jene Aspekte von Aschers Wesen, die entweder seine Gedanken während der Isolation beschäftigten oder ihm während des Verstecks als ausdrucksstarke Medien nicht zugänglich waren. Diese Gedichte sind in gewisser Weise der reinste Ausdruck von Aschers Selbstbewusstsein, während er versuchte, in den angespanntesten und schrecklichsten Momenten zu überleben.
Der Vergleich von Aschers Selbstporträts aus der Zeit vor und nach dem Krieg ist gleichermaßen aufschlussreich und bietet Einblicke in die Entwicklung von Aschers Psyche und Selbstverständnis infolge seiner Verfolgung. Für einen Künstler bleibt das Selbst ein kompositorisches Thema, das ständig im Spiel ist, als etwas, das erforscht, vermieden, mit dem man sich auseinandersetzt oder das man verleugnet. In dieser Hinsicht erweisen sich Aschers multimediale und vielschichtige Selbststudien und die Darstellung des Innenlebens als roter Faden durch seine gesamte Karriere.
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Fritz Aschers Lyrik
DAS BILD
(Vor eigenem Schaffen)
So hocke ich,
in dumpfem Schweigen; –
gebannt = verwirrt =
vor meinem Eigen.
Erschuf Dich
in verschwiegener Nacht, –
Getrieben,
peitschend angefacht.
Gedrängt, gepresst, –
„In tiefer Not!“
Erstandest Du mir
: ein Gebot.
Blick ich auf Dich,
mein Angesicht –
Und lausche
„Einem fernen Ich.“
Was sich begreift –
: Ist nichts als Staunen –
Drob eines Wesen
Launen Geist.
(Gedichtband 1, undatiert, S. 40)
DAS BILD
(Vor meiner eigenen Schöpfung)
Also ducke ich mich
In schwerer Stille;
verzaubert = verwirrt =
vor meinem eigenen Ich.
Ich habe dich erschaffen
In der stummen Nacht,
raffiniert,
von der Flamme gepeitscht.
Gedrängt und gedrückt, –
„in tiefer Not“
Du stehst vor mir:
ein Befehl.
Ich sehe dich an,
mein Antlitz –
und hör zu
„ein fernes ‚Ich‘.“
Sich selbst begreifen –
: ist nichts als Erstaunen
Auf diese Weise ist ein Wesen
launischer Geist.
(Gedichte Bd. I, undatiert, S. 40)
Ausgewählte Selbstporträts der deutschen Moderne
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Alle Fritz Ascher-Bilder © Bianca Stock.








