Aschers Verwendung von lebendigen, dramatischen Farben bleibt eines der bestimmenden Kennzeichen seiner expressionistischen Praxis. In Werken wie dem rätselhaften Pferd und Reiter (ca. 1916), Männlicher Akt trägt weiblichen Akt (ca. 1916), Figürliche Komposition (1915) Männerporträt in Rot (ca. 1915) und viele, viele andere, darunter die monumentaleren Golgatha (1915) und Die Gefolterten (1920er Jahre) kodierte Ascher jede Figur einer Szene durch eine einzigartige, überwiegend monochromatische Farbpalette. Diese Wahl unterscheidet eine Figur optisch von einer anderen und die Lebendigkeit seiner Farbwahl weist Ascher weiterhin in die Reihen seiner expressionistischen Kollegen auf, doch die Gemeinsamkeit dieser Technik in Aschers Werk sowohl vor als auch nach der Nazi-Besatzung verdient eine eingehendere Betrachtung. Für einen Künstler, der sich intensiv mit der Darstellung psychischer Zustände und des immateriellen Innenlebens beschäftigte, passt Aschers Art, Farbe zu verwenden, gut zu ideologischen Farbtheorien, die von Künstlern praktiziert und angenommen wurden, die er zutiefst bewunderte – wie etwa Edvard Munch – sowie von vielen modernen Künstlern seiner Zeit – wie etwa Piet Mondrian, Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky. Diese Farbtheorien leiteten sich von okkulten Glaubensvorstellungen des 19. Jahrhunderts ab, insbesondere denen, die mit der theosophischen Bewegung in Verbindung gebracht wurden. Jede Farbe wurde direkt mit einer bestimmten Stimmung, einem bestimmten Gefühl oder Seinszustand in Verbindung gebracht, mit der Folge, dass die Aussagekraft von Werken, die unter Berücksichtigung solcher Farbtheorien entstanden, sowohl durch die kompositorische Organisation als auch durch die Aussage der Farbwahl über die Natur der in einer Komposition dargestellten Figuren interpretiert werden konnte.
Obwohl seine Werke mit okkult inspirierten Farbtheorien aus Aschers Zeit übereinstimmen, lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, welchen Wert er ideologischen Farben beimaß. Die Häufigkeit unterschiedlicher Farbfelder als „Signaturfarben“ für jede Figur, insbesondere in Kompositionen mit ausgesprochen rätselhaften Figurengruppen, deutet jedoch darauf hin, dass Aschers Farbe in jedem Werk als autonomes Signifikant fungierte und unabhängig von Form oder Linie erzählen konnte.
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Alle Fritz Ascher-Bilder © Bianca Stock.








