Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich Fritz Ascher weitgehend von der menschlichen Form ab, die seine künstlerische Karriere vor dem Krieg bestimmt hatte. Stattdessen hielten Aschers Gemälde und Zeichnungen nach der Shoah vor allem die Natur fest – den Wald in der Nähe seines Hauses, Sonnenauf- und -untergänge, Mondschein, Sonnenblumen und Bäume. 

In diesen post-shoah-Meditationen über den Wald und den Auf- und Untergang der Sonne lieferten Aschers Werke endlose Wiederholungen derselben Naturmotive. Dieselben Sonnenblumen wurden mit dicken, expressionistischen Pinselstrichen oder mit schwarzer pointillistischer Übermalung wiedergegeben. Die Sonne ging über einer durchgehenden diagonalen Horizontlinie in Gelb, Rot, Orange oder Variationen von Grün- und Blautönen auf und unter. Bäume klammerten sich paarweise aneinander oder blieben getrennt, manchmal durch Häuser getrennt, manchmal in einer Reihe, manchmal zusammen vor einer Bergkulisse. Wolken sammeln sich in violetten oder orangefarbenen oder blauen oder schwarzen Himmeln vor einer horizontalen Feldebene, kompositorisch ähnlich, aber farblich unterschiedlich. 

Aschers spätere Landschaften bieten die Gelegenheit, tief in seine künstlerische Technik und die ästhetischen Anliegen einzutauchen, die sein Werk vor und nach der Shoah gleichermaßen beschäftigten. Zahlreiche Variationen derselben Themen aus der Natur geben Einblick in Aschers fortwährendes Experimentieren mit Farbe, Pinselstrich und Linie während seines ganzen Lebens bis zu seinem Tod im Jahr 1970.

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Interview mit Karen Wilkin, 25. August 2020

„Fritz Aschers Landschaften“

In diesem Interview vom 25. August 2020 zwischen der Kunsthistorikerin Elizabeth Berkowitz und der Kuratorin, Kritikerin und Autorin Karen Wilkin geht es um die Komplexität von Fritz Aschers Landschaftsarbeiten. Zu den Themen gehören, wie Ascher Landschaften nutzte, um sein vor der Shoah entstandenes Interesse an Farbe und Form zu entwickeln, Aschers Interesse an wiederkehrenden Themen und Motiven und inwieweit Aschers Fokus auf die natürliche Welt einen traumabedingten Rückzug von der Menschheit darstellt. 

Die Welt draußen: Fritz Aschers Landschaften

Here Comes the Sun: Fritz Aschers Sonnenauf- und -untergänge

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