Fritz Ascher (17. Oktober 1893 – 26. März 1970 in Berlin, Deutschland) war ein deutscher Künstler, dessen Werk von expressionistischer und symbolistischer Sensibilität geprägt ist. In Gemälden, Arbeiten auf Papier und Gedichten untersuchte er existenzielle Fragen und Themen von zeitgenössischer sozialer und kultureller Relevanz, von Spiritualität und Mythologie. Aschers ausdrucksstarke Striche und intensive Farben schaffen emotional intensive und authentische Werke.
Im Jahr 2016 wurde Fritz Ascher mit einer internationalen Retrospektive und einer wissenschaftlichen Veröffentlichung wiederentdeckt und hat mit seiner starken und einzigartigen künstlerischen Stimme ihren rechtmäßigen Platz im deutschen Expressionismus eingenommen.
1893 bis 1913
Fritz Ascher wurde am 17. Oktober 1893 in Berlin als Sohn des Zahnarztes und Kaufmanns Dr. Hugo Ascher (geb. Neugard, 27. Juli 1859 – gest. 18. August 1922, Berlin) und der Minna Luise Ascher (geb. Schneider, Berlin, 17. Januar 1867 – gest. 17. Oktober 1938) geboren. Seine Schwestern Charlotte Hedwig und Margarete Lilly (Grete) wurden am 8. Oktober 1894 und 11. Juni 1897 geboren. Hugo Ascher konvertierte seine drei Kinder 1901 zum Protestantismus, seine Frau blieb Jüdin. Hugo Aschers Geschäft war erfolgreich, und 1909 zog die Familie in eine Villa in der Niklasstraße 21-23 in Berlin-Zehlendorf, die von dem bedeutenden Architekten Professor Paul Schultze-Naumburg erbaut wurde.
Auf Empfehlung Max Liebermanns studierte Fritz Ascher an der Kunstakademie Königsberg, wo der Dekan Ludwig Dettmann, Mitbegründer der Berliner Secession, hatte dynamische Lehrer eingestellt, die den Wert einer soliden, praktischen Ausbildung betonten. Unter anderem freundete sich der Künstler mit Eduard Bischoff an, der ihn 1912 porträtierte. In Berlin studierte Ascher bei Lovis Corinth, Adolf Meier und Kurt Agthe.
1913 bis 1933
Ascher war in den Netzwerken der Berliner Avantgarde aktiv und kannte viele Künstler persönlich. Beeinflusst von expressionistischen Künstlern wie dem älteren Edvard Munch, Emil Nolde und Wassily Kandinsky sowie seinen Zeitgenossen Max Beckmann, Georges Rouault und Ludwig Meidner fand Ascher zu seiner ganz eigenen künstlerischen Sprache.
Er unternahm ausgedehnte Reisen und begann, seine Werke auszustellen. 1914 reisten Ascher und sein Freund und Malerkollege Franz Domscheit (Pranas Domšaitis) vermutlich nach Norwegen und trafen in Oslo Eduard Munch. 1918–19 hielten sich die beiden Freunde in Bayern auf. Hier freundete sich Ascher mit den Künstlern an. Blauer Reiter und die wöchentliche Simplizissmus, darunter Gustav Meyrink, Alfred Kubin, George Grosz und Käthe Kollwitz, und schickte seine Bilder an verschiedene Ausstellungen und Galerien, darunter den Glaspalast.
Aschers ausdrucksstarker Strich und die intensive Farbigkeit mit beschreibenden Umrissen und flächiger Farbigkeit verbinden Elemente des Expressionismus mit denen des Symbolismus. Sein Frühwerk ist in der Thematik, der verwendeten Technik und der Malweise sehr vielschichtig. Es entsteht ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen kleinen intimen Graphitzeichnungen und großformatigen polychromen Figurenkompositionen, zwischen Porträts und biblischen Szenen, Charakter- und Milieustudien oder zwischen Darstellungen literarischer und allegorischer Figuren. Gleichzeitig reagierte er auf zeitgenössische Themen, wie etwa die Straßenkämpfe der Novemberrevolution 1918.
1933 bis 1945
Am 30. Januar 1933 übernahm Hitler die Macht. Als moderner Maler und gebürtiger Jude konnte Ascher seine Kunst nicht mehr produzieren, ausstellen oder verkaufen. Er versteckte sich bei Freunden in Berlin und Potsdam und wechselte ständig seinen Wohnsitz. Während der Pogrome am 9. und 10. November 1938 wurde Ascher verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen und im Potsdamer Gestapo-Gefängnis interniert. Sechs Monate später wurde er freigelassen und überlebte das Nazi-Terrorregime versteckt im Keller eines teilweise zerbombten Gebäudes im wohlhabenden Berliner Stadtteil Grunewald. Während dieser Zeit schrieb er Gedichte über Liebe und das Göttliche sowie Hommagen an seine künstlerischen Vorbilder. In anderen Gedichten wandte er sich einem neuen Thema zu: Sie beschwören die Natur als Zufluchtsort und spirituelle Heimat. Diese Gedichte geben einen Einblick in die innersten Gefühle des Künstlers und können als „ungemalte Bilder“ verstanden werden.
1945 bis 1970
Nach Hitlers Niederlage lebte Ascher weiterhin in Berlin-Grunewald. Aus der Gesellschaft zurückgezogen stürzte er sich in seine Arbeit.
Anfangs übermalte er einige seiner frühen Arbeiten, doch bald konzentrierte er sich hauptsächlich auf Landschaften und zeichnete nur manchmal Menschen aus dem Gedächtnis. Ascher arbeitete mit neuer Unmittelbarkeit und Dringlichkeit und vereinfachte Formen und Mittel dramatisch. Seine dicken, hellen Pigmente suggerieren sowohl lebendige, lebensbejahende Freude als auch, in der groben Natur seiner Pinselstriche, eine dunkle, innere Qual, die sich in Licht verwandelt. Die emotionalen Erzählungen seiner frühen Arbeiten wurden durch sparsame Landschaftsbilder und stilisierte Blumen und Bäume ersetzt, die zielstrebig in einem intimen Maßstab wiederholt wurden. Beinahe Besessenheit kombiniert mit genauer Beobachtung und einer Wertschätzung von Nuancen. Besonders die Bäume, einzeln oder in Reihen, in Gruppen von zwei oder drei, wurden zu stehenden Figuren, die uns gegenübertreten, jede so unverwechselbar wie jeder Einzelne. (Karen Wilkin)
Fritz Ascher starb 1970, nur Monate nach einer großen Einzelausstellung in der legendären Galerie Rudolf Springer in Berlin.

































