2017, December 14-20 – Ingolf Patz in Tagesspiegel Ticket no 51, p. 8, 18

Wiederentdeckung. Fritz Ascher in Berlin & Potsdam

Die Sonne bricht durch

Das Werk des Berliner Malers Fritz Ascher (1893—1970), Teil der Lost Generation verfemter Künstler, feiert seine grandiose Auferstehung in einer zweiteiligen Ausstellung im Potsdam Museum (siehe S. 18) und dem Museum Charlottenburg-Wilmersdorf. Endlich ist die Wanderausstellung "Leben ist Glühn. Der deutsche Expressionist Fritz Ascher" auch in dessen Heimat zu sehen. Klug geteilt, sind zwei eigenständige Ausstellungen entstanden, die sich erhellen und bereichern, die die Flucht Aschers vor den Nazihäschern zwischen Berlin und Potsdam körperlich nachvollziehen lassen.

Während das Potsdam Museum den Triumph über Unterdrückung und das Vergessen feiert, trägt der Berliner Ausstellungsteil melancholischere Züge. Dem Selbstverständnis als Bezirksmuseum folgend, wird in der Villa Oppenheim der Schwerpunkt auf die Phase ab 1942 gelegt, die Fritz Ascher bis zu seinem Tod in Wilmersdorf verbrachte. Hier überlebte er versteckt im Keller einer Grunewald-Villa den Nazi-Terror und den Krieg. Höhepunkt der Ausstellung ist eine Serie von Werken, mit denen Ascher nach Kriegsende versucht, wieder ins Leben zu treten. Es sind Übermalungen, Wiederaneignungen von Werken vor Berufsverbot und Verfolgung. Lichtpunkte lösen hier die berstende Körperlichkeit seines expressionistischen Frühwerks auf. Ein Licht, wie es durch vernagelte Fenster fällt oder durch die Kronen jahrhundertealter Bäume. Hier scheint noch alles möglich für den inzwischen 52Jährigen. Tatsächlich wird Ascher in der inneren Emigration verharren, von der menschenleere Landschaften und berührende Blumenbilder zeugen.

Verena Velde zog als Kind in Fritz Aschers Haus. "Er kam mir vor wie ein Gespenst", erinnert sie sich an den scheuen Maler. (link)

Fritz Ascher, Forest, c. 1920/1945. ©Bianca Stock. Photo Malcolm Varon