2016, September 22 – Andreas Mink in Tachles online, Switzerland

Der Expressionist Fritz Ascher in Osnabrück

Andreas Mink

In der Reihe «Verfemte Kunst» zeigt das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück eine Werkschau des deutsch-jüdischen Malers Fritz Ascher.

Landscape
Fritz Aschers «Untergehende Sonne», ca 1960, Öl auf Leinwand, aus privater Sammlung. © Bianca Stock. Foto: Malcolm Varon, New York

«Leben ist Glühn» lautet ein Zitat des Berliner Expressionisten Fritz Ascher (1893–1970), das nun zu dem Titel einer empfehlenswerten Ausstellung am Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus geworden ist. Die Ausstellung eröffnet am 25. September und zeigt bis zum 15. Januar eine repräsentative Auswahl von rund 70 Gemälden und Grafiken des Künstlers: von frühen spielerischen Studienzeichnungen über monumentale Figurenkompositionen der Weimarer Zeit bis zu kraftvollen Landschaftsbildern der Jahre nach 1945.

Die Retrospektive lädt zur Wiederentdeckung des ehemals verfemten und fast vergessenen Berliner Künstlers ein, der von den Nationalsozialisten verfolgt und dessen frühes Werk durch den Zweiten Weltkrieg in Teilen zerstört wurde.

Fritz Ascher wurde 1893 in Berlin-Zehlendorf als erstes Kind einer assimilierten jüdischen Familie geboren, die ihre Kinder 1901 evangelisch taufen liess. Im Alter von 17 Jahren besuchte er die Kunstakademie in Königsberg. Um 1913 zog Fritz Ascher zurück in die Kunstmetropole Berlin, wo er bei Lovis Corinth studierte und im Umfeld expressionistischer Künstler zu einer eigenen Bildsprache fand.

Neben humoristischen, der Karikatur verwandten Bildern sind in Osnabrück Gemälde und Grafiken im Zeichen des Symbolismus und Expressionismus aus der Zeit vor 1933 zu sehen. Die oft allegorisch geprägten Darstellungen spiegeln die innere Zerrissenheit des Malers wider. Sie belegen sein Interesse an religiösen Themen und an dramatischen Stoffen aus der Welt der Musik, des Theaters und der Oper.

Als Fritz Ascher 1933 ins Visier der Nationalsozialisten geriet, tauchte er bei Freunden unter. Nach kurzer Gefangenschaft im Konzentrationslager Sachsenhausen und im Potsdamer Gefängnis überlebte er die Jahre bis 1945 in einem Kellerversteck im Berliner Grunewald. In dieser Zeit der Isolation und Angst vor der drohenden Deportation schrieb er zahlreiche Gedichte. Sie sind in Auszügen in der Ausstellung präsentiert.

Unmittelbar nach der Befreiung 1945 durch die Alliierten begann Fritz Ascher wieder zu malen. Zunächst überarbeitete er ältere Gemälde wie die großformatigen Werke des Bajazzo oder das Porträt Ludwig van Beethovens. Beide Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Ascher fand dann jedoch in der Natur sein eigentliches Thema.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters MdB, und wird in der Reihe «Verfemte Kunst» gezeigt. Damit erinnert das Felix-Nussbaum-Haus an jene Künstler, die aufgrund ihrer religiösen oder politischen Identität im Nationalsozialismus verfolgt waren und deren Kunst als «entartet» gebrandmarkt wurde.

Das Projekt ist eine Kooperation mit der Fritz Ascher Society, New York, und wird im Anschluss an die Präsentation in Osnabrück in Chemnitz, Berlin und Potsdam gezeigt. Dazu wird ein Katalog mit Aufsätzen von Jörn Barfod, Eckhart Gillen, Wiebke Hölzer, Ingrid Mössinger, Ori Z. Soltes und Rachel Stern erscheinen.

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